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Medieninformation 209 /2011

Regierungserklärung von Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht zum Rechtsterrorismus:

Rechtsterrorismus entschieden bekämpfen – NPD verbieten – Offene Fragen umfassend und transparent klären

Die Abgeordneten des Thüringer Landtags verfolgen die Regierungserklärung von Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht. Foto: Marcus Scheidel
Die Abgeordneten des Thüringer Landtags verfolgen die Regierungserklärung von Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht. Foto: Marcus Scheidel

Polizei und Verfassungsschutz müssen die rechtsextremistische Szene noch intensiver beobachten und deren Straftaten unnachgiebig und konsequent verfolgen. Der in den letzten Tagen bekannt gewordene Rechtsterrorismus übersteigt alles bisher Vorstellbare und ist mit aller Härte des Gesetzes und unter  Ausschöpfung aller rechtsstaatlichen Mittel zu bekämpfen.“ Dies erklärte Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht heute im Rahmen einer Regierungserklärung im Thüringer Landtag anlässlich des jüngst bekannt gewordenen Ausmaßes rechtsextremistischer Gewalt in Deutschland. Die Ministerpräsidentin zeigte sich entsetzt und „im tiefsten Maße erschüttert“  über die rechtsextremen Terrorakte. „Mein ganzes Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen der Mordopfer. Ich bekunde meine Solidarität mit allen unseren ausländischen Mitbürgern“, sagte Lieberknecht. „Die Tatsache, dass die Verantwortlichen für diese brutalen Gewaltverbrechen aus Thüringen, aus Jena, aus unserer Gesellschaft stammen, muss uns mit tiefer Scham erfüllen. Deutschland ist ein gastfreundliches, ein weltoffenes Land, das von seiner internationalen Einbindung lebt. Dies gilt auch für Thüringen. Die Aufgeschlossenheit für Neues, die Bereitschaft sich mit Neuem zu beschäftigen, die Weltoffenheit und der Respekt vor den Mitmenschen sind Triebfedern unserer Geschichte. Der Freistaat ist geprägt von seiner kulturellen, historischen und wirtschaftlichen Vielfalt.

Zum Einsatz von V-Leuten bei Polizei und Verfassungsschutz forderte Lieberknecht, dass diese keinesfalls mit staatlichen Mitteln extremistische Organisationen finanzieren oder mit Wissen ihrer Verbindungsleute Gewalttaten begehen dürften. Die Regierungschefin erneuerte ihre Forderung nach einem NPD-Verbot. „Die NPD bietet den geistigen Nährboden für die Mörder aus Zwickau. Diese Organisation darf schlichtweg nicht länger als Partei bezeichnet und mit Steuermitteln unterstützt werden.“

Lieberknecht sicherte zu, alle Fragen, die sich zur Rolle von Polizei und Verfassungsschutz ergeben haben, umfassend, schnell  und transparent zu klären.  „Das beginnt mit dem Entkommen der Jenaer Bombenbauer im Jahr  1998 und reicht bis hin zur Frage, ob mit der Zwickauer Zelle alle rechtsextremen Terroristen enttarnt wurden. „Sollten im Rahmen der Beantwortung dieser Fragen  strukturelle Mängel  oder  individuelle Fehler erkannt werden, dann müssen und werden wir die  notwendigen Konsequenzen ziehen. Bei allem, was wir in der nächsten Zeit zur Beantwortung aufgeworfenen Fragen tun, werden wir die  Öffentlichkeit bestmöglich einbeziehen.  Es ist wichtig, dass wir die Gesellschaft über Fakten, Motive und die menschenverachtende Ideologie der rechtsextremistischen Terroristen umfassend und vollständig  informieren.“

Die Ministerpräsidentin kündigte an, die Arbeit der Sicherheitsbehörden in Thüringen besser untereinander zu vernetzen und auch die Zusammenarbeit mit der Polizei und den Verfassungsschutzbehörden der benachbarten Bundesländer und des Bundes auszubauen. „Wichtig ist zudem, dass wir auch die Entwicklungen im rechtsextremen Bereich  auf internationaler Ebene stärker inden Blick nehmen, um deren Einfluss auf die  Szene im Bund und hier in Thüringen besser beurteilen zu können.

 
Lieberknecht kündigte an,  alles auf den Prüfstand zu stellen, was Thüringen bislang gegen politischen Extremismus  präventiv und  repressiv  unternommen hat.  „Alle bisherigen Maßnahmen müssen  unter Einbeziehung der neuen  bzw. der  noch zu erwartenden Erkenntnisse bewertet werden.“ Sie verwies darauf, dass der Freistaat  bereits  unmittelbar nach den Ereignissen  Ende der 90er Jahre Maßnahmen zur Bekämpfung des Rechtsextremismus ergriffen hat und nannte als Beispiel die Schaffung einer Landestelle für Gewaltprävention. Mit dem Thüringer Landesprogramm für Demokratie, Weltoffenheit und Toleranz setzt die Landesregierung seit Jahresbeginn auf eine Handlungsstrategie, die das Problem Rechtsextremismus in seiner Komplexität erfasst. Diese Strategie baut auf den  drei Säulen Prävention, Intervention und Repression auf: Prävention steht für die Aufklärung, Intervention für das bürgerschaftliche Engagement gegen rechtsextreme Provokationen und Repression steht für die Sanktionierung von politisch motivierten Straftaten.

Die Ministerpräsidentin betonte, dass die Bluttaten der  Mörder aus Zwickau in aller  Brutalität zeigten , dass rechtsextremistische Strukturen ihren aggressiven Kampf gegen die Freiheitlich Demokratische Grundordnung und unseren Rechtsstaat auch mit terroristischen Mitteln führen. „Vor diesem Hintergrund sind Bund und Länder gefordert, unter Ausschöpfung  aller rechtstaatlichen Mittel konsequent gegen rechtsextremistische Bestrebungen vorzugehen.  Ich möchte aber auch  an die Worte des norwegischen Ministerpräsidenten  Jens Stoltenberg nach den Terrorschlägen im Juli dieses Jahres erinnern, wonach man auf die Terrorakte mit  mehr Offenheit und Demokratie  reagieren werde. Genau das gilt auch für uns.“

Lieberknecht betonte abschließend, dass die Bekämpfung des Rechtsextremismus  vor allem eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. „Die Verharmlosung des Rechtsextremismus beginnt  bereits dann, wenn man im privaten oder beruflichen Bereich extremistische, ausländerfeindliche oder antisemitische Äußerungen  einfach stehen lässt, ohne aktiv zu widersprechen. Es ist die  Aufgaben aller Demokraten, über alle  Parteigrenzen hinweg, sich der Herausforderung durch den Rechtsextremismus zu stellen und damit dem gewaltbereiten Spektrum den  Nährboden zu entziehen. Wir brauchen eine  Kultur des Hinsehens. Wir alle sind gefordert klarzustellen, dass Extremisten in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Rechtsextremismus ist eine Schande für unser Land. Wir müssen ihn ächten, denn die Würde des Menschen ist unantastbar.“

 

Die Abgeordneten des Thüringer Landtags kehren gegen den braunen Ungeist: Foto: Thüringer Landtag
Die Abgeordneten des Thüringer Landtags kehren gegen den braunen Ungeist: Foto: Thüringer Landtag

Hinweis:

Die Regierungserklärung ist unter  www.thuerungen.de nachlesbar.

Ein breites Bürgerbündnis sagt in Weimar NEIN zu Intoleranz und Rechtsextremismus. Foto:
Ein breites Bürgerbündnis sagt in Weimar NEIN zu Intoleranz und Rechtsextremismus. Foto: "Mobit e.V."